Am Freitag, den 10.10.2025, startete unsere zweiwöchige Mobilität nach Varallo im Norden Italiens. Wir – Robert und Florian – waren die ersten Tischler-Auszubildenden vor Ort und bezogen unsere Unterkunft in einem örtlichen Kloster. Nach unserer Ankunft verschafften wir uns einen Überblick über die Stadt und besuchten den Ort Otro, der an diesem Wochenende sein 1000-jähriges Jubiläum feierte.
Am Montag ging es dann richtig los. Morgens besuchten wir die Schule. Dort zeigte man uns zunächst die Holzwerkstatt. Anschließend überlegten wir uns für die kommenden zwei Wochen ein Projekt, das wir selbstständig bearbeiten würden. Ich, Florian, wählte einen faltbaren Stuhl und ich, Robert, entschied sich für einen Schuhschrank. Am Nachmittag fuhren wir weiter zum Betrieb »Multone«, der international tätig ist und mit einem hohen Anteil in Handarbeit fertigt. Dort begleiteten wir eine Woche lang den kompletten Prozess der Fertigung von Türen aus Massivholz.
Die Vormittage verbrachten wir in der örtlichen Berufsschule mit unseren Projekten oder machten Werksbesichtigungen. Am Dienstag besuchten wir eine Fabrik, die Wachse, Farben und Öle für die Holzversiegelung herstellt. Wir durften den gesamten Produktionsablauf verfolgen und erhielten Einblicke in die Geschichte des Unternehmens. Zwei Tage später besuchten wir eine Fabrik zur Herstellung von Holzwerkstoffen. Dank einer deutschsprachigen Mitarbeiterin erhielten wir eine private Führung und erfuhren alles über die Herstellung von Furnieren und Spanplatten. Auch in der Tischlerei wurde es spannend: Ein Kunde aus Deutschland kam, um über die Einrichtung seines Hauses zu sprechen. Am Freitag endete unsere erste Woche. In der Schule sahen wir bereits deutliche Fortschritte an unseren Projekten, und bei der Tischlerei »Multone« hieß es Abschied nehmen – begleitet von einem kleinen Betriebsfest, das einmal im Jahr stattfindet und bei dem ein Foodtruck frischen Fisch zubereitete. Am Wochenende nutzte Florian die Gelegenheit, zusammen mit den angehenden Chemielaboranten und Chemielaborantinnen des Fritz-Henßler-Berufskollegs, die auch vor Ort waren, die nah gelegene Stadt Mailand zu besichtigen und einen lebendigen Einblick in die italienische Großstadtkultur zu erhalten. In der Zwischenzeit unternahm ich, Robert, eine Wandertour zu einer Berghütte und übernachtete dort. Am Sonntag trafen wir uns dort auf 2.400 Metern Höhe, um gemeinsam zu einem Bergsee zu wandern.
Die zweite Woche starteten wir mit der Besichtigung einer Firma, die Dächer aus Leimbindern baut. Auch hier erhielten wir viele Informationen zur Entwicklung des Unternehmens und Einblicke in die CNC-Technik. Am Nachmittag wechselten wir in eine zweite Tischlerei, in der wir in der anstehenden Woche eine Kommode für einen Privatkunden bauen sollten. Wir schnitten Holz zu und hobelten es aus. Mittwochs hatten wir die Gelegenheit, eine private Kunstsammlung mit Objekten und Möbeln aus dem frühen 19. Jahrhundert zu besuchen. Über drei Stunden hinweg bestaunten wir zahlreiche Stücke filigraner italienischer Handwerkskunst. Später im Betrieb fertigten wir die Schubkästen für die Kommode. Der Donnerstag war unser letzter Vormittag in der Berufsschule. Florians Stuhl erhielt die letzten Feinschliffe, sodass er am nächsten Tag nur noch zusammengesetzt werden musste. Auch Roberts Schuhschrank war im Wesentlichen fertig. Am letzten Tag besuchten wir noch eine Fabrik eines weltweit führenden Herstellers für Kleiderbügel aus Holz, der zahlreiche Luxusmarken beliefert. Abends saßen wir mit unseren italienischen Betreuern zusammen, ließen die zwei Wochen Revue passieren und verabschiedeten uns in freundschaftlicher Runde. Den finalen Tag verbrachten wir noch einmal in der schönen Natur, bevor es am Sonntag zurück nach Hause ging.
Unser Fazit: zwei abwechslungsreiche, lehrreiche Wochen mit vielen interessanten Einblicken in Handwerk, Industrie und Kultur – und Gastgebern, die uns ausgesprochen herzlich aufgenommen und bestens begleitet haben. Grazie di tutto!
Text und Fotos: F. Willner und R. Kinzel



