Trip zu den Sternen

Die Fahrzeuglackiereroberstufe erkundete das Bremer Mercedes Werk. Was dabei besonders hängen blieb: Die Arbeitsbedingungen sind komplett anders als in der Werkstatt. Und bei Mercedes wird sogar nachts geheiratet.

8 Stunden lang alle 30 Minuten die Station wechseln und dort jeweils im 2- Minuten und 20 – Sekunden-Takt arbeiten, das ist nämlich der Rhythmus bei der Fertigung diverser Mercedes-Modelle für den Weltmarkt. Diesen und andere Eindrücke nahmen die Lackierer- und Lackiererinnen von ihrer Fahrt nach Bremen zu Europas größtem Mercedes Werk mit. Nach einem freundlichen Empfang im Kundencenter und einem Imagefilm zur Einstimmung, ging es mit dem Bus über das Gelände und zu Fuß durch die Produktionshallen. Es war sehr beeindruckend für die Azubis und ihre Lehrerinnen zu sehen, wie viele Etappen durchlaufen werden, um aus tonnenschweren Coils elegante PKW zu fertigen. 

Jährlich laufen bis zu 400.000 C-Klasse Modelle, GLE, EQE und Maybach vom mehrere Kilometer langen Fließband. Daran beteiligt sind ca. 10.000 Menschen und sehr viele Roboter. Während letztere 24 Stunden an 5 Tagen in der Woche durcharbeiten, rotieren die Monteurinnen und Monteure in 3 Schichten. Sie erledigen bis auf die Sekunde genau vorstrukturierte Aufgaben. Zeit für kollegialen Austausch oder einen Blick aufs Handy bleibt dabei kaum. 

Auch wenn zu beobachten war, dass alle Arbeiten ohne Hektik abliefen und schwere Gewichte nur mit Hilfsgeräten gestemmt wurden, wurde klar. Diese Arbeit ist mental und körperlich ziemlich fordernd. Aber der Arbeitgeber macht Punkte gut. Zum Werksgelände gehören Restaurants, ein Fitnessstudio und eine Physiopraxis. Selbst die Arbeitskleidung kann man vor Ort in einem werkseigenen Shop bekommen und die 400 Azubis haben ihre eigene Berufsschule.

Das Lackieren ist – wie überall in der Automobilindustrie – stark automatisiert und »nur« der Maybach wird von Hand gespritzt wird. Dennoch konnten sich einige Teilnehmer durchaus vorstellen, eine Bewerbung im Werk abzugeben.

Und was war nun mit dem nächtlichen Heiraten? Unter Hochzeit versteht man in der Automobilindustrie den Moment, wenn Fahrwerk und Karosserie miteinander vereint werden – auch in der Spätschicht.

Also viel gelernt bei der Stufenfahrt, bei der auch Zeit blieb, die Hansestadt auf eigene Faust zu erkunden, bevor es am nächsten Tag mit dem ICE wieder Richtung Heimat ging. 

Fazit: Diese Reise zu den Sternen wird zumindest für die Lehrerinnencrew nicht die letzte gewesen sein.

Text und Foto: J. Münstermann