Am Morgen des 10. Oktobers flogen wir, vier Chemielaboranten des dritten Lehrjahrs, vom Düsseldorfer Flughafen zunächst nach Madrid. Von dort fuhren wir mit dem Reisebus zum Busbahnhof Zaragoza-Delicias, wo wir abends zu unserer vorab gemieteten Airbnb-Wohnung gebracht wurden. Uns standen drei Wochen in Zaragoza bevor, in denen wir vier jeweils an verschiedenen Praktikumsorten arbeiten sollten. Die Aufregung war groß, aber die Vorfreude umso größer.
Im Folgenden erzählen wir euch erstmal etwas über unsere Tätigkeiten während der Arbeit.
Sarah: »Innerhalb meines Praktikums an der Universidad de Zaragoza war ich in der Abteilung für Anorganische Chemie tätig. In dieser Zeit habe ich verschiedene Produkte synthetisiert und anschließend aufgereinigt. Die Aufreinigung habe ich mit einer Handsäule gemacht. Diese Aufreinigungsmethode habe ich auch schon hier in Deutschland angewendet, aber in Spanien konnte ich meine Fähigkeiten zeigen und auch verbessern. Dabei konnte ich nicht nur viele neue Kenntnisse erwerben, sondern auch meine bereits vorhandenen Fähigkeiten aus der Ausbildung weiterentwickeln. In dieser Praktikumszeit habe ich viel mit Aminen und Gold gearbeitet. Ich habe gelernt, wie ich mit Gold arbeiten und wie ich es in Synthesen mit einbinden kann. Besonders bereichernd war für mich, dass ich Einblicke in die Arbeitsweise eines Labors im Ausland gewinnen konnte.«
Alex: »Während der Zeit an der Universidad de Zaragoza habe ich vieles gelernt. Ich habe Einblicke in die Arbeitsweisen der Studenten der Lebensmittelabteilung bekommen. Große Probleme in Zaragoza sind, dass viele Felder nicht genug Wasser bekommen, da es in diesen Gebieten sehr heiß werden kann. Die Bauern müssen abzählen, wie viel Wasser das Korn braucht, um zu vermeiden, dass sich sehr toxische Schimmelpilze bilden. Es werden unterschiedliche Bewässerungsmethoden getestet, um zu sehen, unter welchen Bedingungen sich der Schimmelpilz bildet. Ich hatte das Vergnügen, die Kornproben zu testen und sogar Kakaopulverproben zu untersuchen. Die Proben vom Kakaopulver können auch Schimmelpilze beinhalten, wenn sie aus Ländern wie Kolumbien stammen.«
Maxine: »In den drei Wochen habe ich bei dem Unternehmen Tereos im Produktionssektor gearbeitet. Dort unterstützte ich u. a. die Mitarbeiter der Starch Dryers- und Utilities-Abteilung bei der Probenentnahme von Maisstärke aus den Trocknungsanlagen und von Wasser. Anschließend habe ich ihnen bei den unterschiedlichsten analytischen Messungen geholfen, um für eine gute Qualität zu sorgen. Zusätzlich wurde mir der Prozess des Corn Wet-Milling’s, der erste Schritt des Produktionsprozesses, von meinem Ansprechpartner vermittelt: Dabei dienen Maiskörner als Ausgangsstoff; mir wurden die vier Hauptkomponenten von einem Maiskorn erklärt und wie diese (Faser, Keimling, Stärke und Proteine) im Anschluss in den verschiedenen Abteilungen der Fabrikanlage verarbeitet werden. Ich selbst habe hier Stärkeaufschlämmungen untersucht. Sehr aufschlussreich waren auch die zwischenzeitlichen Führungen durch die Fabrik, wo ich die großen, beeindruckenden Anlagen bestaunen konnte.«
Xue Cai: »Ich habe vielfältige praktische Erfahrungen während meines Auslandspraktikums im Bereich Chemie auf dem Campus der Ingenieurwissenschaften der Universität Zaragoza gesammelt. Ein zentraler Bestandteil meiner Aufgaben war die Arbeit mit unterschiedlichen analytischen Messgeräten. Dabei lernte ich den präzisen Umgang mit verschiedenen Analyseverfahren und führte eigenständig Messungen sowie Auswertungen durch. Zusätzlich war ich an der Kalibrierung mehrerer Geräte beteiligt. Durch diese Tätigkeiten konnte ich mein Verständnis für Messgenauigkeit, Qualitätsstandards und die Bedeutung regelmäßiger Wartung vertiefen. Das Praktikum gab mir einen umfassenden Einblick in die chemischen Arbeitsprozesse innerhalb eines ingenieurwissenschaftlichen Umfelds und stärkte meine theoretischen sowie praktischen Fähigkeiten nachhaltig. Die Zeit in Zaragoza war für mich sowohl beruflich als auch persönlich sehr bereichernd.«
Zustimmend können wir alle sagen, dass unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort stets freundlich, hilfsbereit und offen waren, ihr Wissen mit uns zu teilen. Zwei Tage nach unserer Ankunft durften wir uns die Fiesta del Pilar ansehen. Dieses Fest ist eine bedeutsame Tradition in Zaragoza zu Ehren der Schutzpatronin Spaniens, der Virgen del Pilar (Unserer Lieben Frau auf dem Pfeiler). Zu Ehren der Virgen del Pilar gibt es nämlich jedes Jahr eine Blumenopfergabe bei der Basílica del Pilar – einer majestätischen römisch-katholischen Barockkirche. Die Virgen del Pilar ist ein Gnadenbild der Jungfrau Maria auf einem Pfeiler in Zaragoza; dieser Pfeiler befindet sich wiederum in der Basílica del Pilar. Während des Festes gibt es viele verschiedene Attraktionen, wie z. B. große Umzüge mit traditionellen Tänzen und Kleidern, Konzerte und auch Feuerwerk. Es gab eine sehr angenehme städtische Atmosphäre, besonders an den Tagen des Festes. In unserer Freizeit haben wir meistens Spaziergänge durch die Stadt unternommen, bei denen wir viel Schönes gesehen haben. Bei diesen Spaziergängen haben wir einen wunderschönen Park gefunden, der Parque Grande José Antonio Labordeta heißt und der ganz in der Nähe unserer Wohnung lag. Dort gibt es viele Springbrunnen und coole Fotospots. Wir nahmen zudem an einer Stadttour durch Zaragoza teil, welche von drei Volunteers der Schule CPIFP Corona de Aragón geplant wurde. Durch diese Stadttour konnten wir vor allem die Sehenswürdigkeiten der Stadt besser kennenlernen und uns mit italienischen Schülern, die auch durch Erasmus+ in Zaragoza waren, austauschen. Nebenbei wurde uns das Einkaufszentrum Puerto Venecia empfohlen, wo wir dann an einem Samstag hingefahren sind. Dieses Einkaufszentrum ist supergroß und es gibt unzählige beliebte Läden, die zum Shoppen einladen. Im Allgemeinen gibt es auch in der Innenstadt von Zaragoza viele verschiedene, ansprechende und moderne Geschäfte, die alle ein Hingucker waren. Am zweiten Wochenende sind wir samstagmorgens um fünf Uhr mit dem Reisebus nach Barcelona gefahren, um die Stadt zu erkunden. Wir waren begeistert von den facettenreichen Seiten Barcelonas und sind abends zufrieden mit dem Bus wieder zurückgefahren. Schließlich flogen wir am 1. November wieder zurück nach Deutschland. Wir waren übrigens sehr froh, dass sowohl die Hin- als auch die Rückreise reibungslos funktioniert haben (dank Iberia und Alsa). In unserer gesamten Zeit in Zaragoza hatten wir außerdem ein unheimlich gutes und fast immer sonniges Wetter, das wir nun vermissen.
Zum Abschluss unseres Berichtes wollen wir euch ermutigen, auch am Erasmus+ Praktikum teilzunehmen, wenn ihr die Möglichkeit habt, denn es lohnt sich auf jeden Fall! Wir haben nicht nur neue chemische Kompetenzen erworben, sondern auch Erfahrungen fürs Leben gesammelt. Besonders auf der Arbeit sind wir vielen herzlichen und aufgeschlossenen Leuten begegnet, also habt keine Scheu.
Unsere Lehrer am Fritz-Henßler-Berufskolleg und auch die Lehrer an der CPIFP Corona de Aragón haben bei Fragen schnell reagiert und waren aufmerksam, um uns vor und während der Erasmus+ Mobilität zu unterstützen, was unsere Reise enorm erleichtert hat.
Text und Bilder: X. C. Chen, A. Kowalski, M. Ngo, S. Oppermann



