Paris trifft Dortmund

Gestaltungsprojekt im Strukturwandel des Ruhrgebiets (DFZQ Pro)

Im Rahmen eines Erasmus+ Projekts arbeiteten rund 30 Lernende des Lycée Eugénie Cotton aus Paris und des Fritz-Henßler-Berufskollegs der Stadt Dortmund gemeinsam an der Entwicklung einer eigenen Biermarke. Dabei war das Projekt zugleich Bestandteil der Deutsch-Französischen Zusatzqualifikation am Berufskolleg (DFZQ Pro) und verband gestalterische, wirtschaftliche und interkulturelle Lernprozesse im Kontext des Strukturwandels im Ruhrgebiet.

Im Zentrum des Vorhabens stand die kooperative Entwicklung von Designprodukten unter dem Projekttitel »Bier-Edition Strukturwandel«. In binationalen Teams gestalteten die Lernenden Etiketten, Plakate und weitere Kommunikationsmedien für eine fiktive Biermarke. Die Grundlage bildete ein eigens gebrautes Schwarzbier, das die industrielle Geschichte des Ruhrgebiets aufgriff und geschmacklich interpretierte. Ziel war es, gestalterische Lösungen zu entwickeln, die sowohl den regionalen Kontext als auch Anforderungen des Marktes berücksichtigten.

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war die Verbindung von Theorie und Praxis. Die Lehrbrauerei des Fritz-Henßler-Berufskollegs stellte die Bierflaschen bereit, die im Laufe der Woche mit den entwickelten Etiketten versehen wurden. Ergänzend erhielten die Teilnehmenden Einblicke in reale betriebliche Prozesse durch eine Führung bei der Bergmann Brauerei auf dem Gelände Phoenix West. Dort erläuterte die Marketingverantwortliche Anna Pusch die Entstehung der Marke sowie grundlegende Prinzipien des Corporate Designs, darunter Farbgestaltung, Logo-Variationen, Schutzzonen und die Zusammenarbeit mit externen Partnern.

Die Auseinandersetzung mit der Marke Bergmann verdeutlichte, wie handwerkliche Produktion, regionale Identität und Markenkommunikation zusammenwirken. Die kleine Betriebsgröße ermöglichte einen klaren Fokus auf Qualität und handwerkliche Prozesse. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Gestaltung von Etiketten eine komplexe Aufgabe darstellt: Auf begrenzter Fläche müssen Wiedererkennungswert, Differenzierung am Point of Sale sowie technische und rechtliche Vorgaben berücksichtigt werden.

Das Projekt wurde eingebettet in eine strukturierte Lernumgebung mit Workshops, Exkursionen und gemeinsamen Arbeitsphasen. Neben gestalterischen Kompetenzen wurden insbesondere interkulturelle Zusammenarbeit, Projektorganisation und berufliche Handlungskompetenz gefördert.

Erasmus+ bot hierfür einen geeigneten Rahmen, indem es Mobilität, Kooperation und Kompetenzentwicklung in der beruflichen Bildung unterstützte und eine breite Beteiligung unterschiedlicher Akteure ermöglichte. Gleichzeitig leisten solche Projekte einen Beitrag zur europäischen Zusammenarbeit und zur Förderung von Vielfalt sowie Inklusion in der Bildung.

Ein weiterer Bestandteil des Projekts war die systematische Einbindung der Deutsch-Französischen Zusatzqualifikation am Berufskolleg (DFZQ Pro). Die entsprechenden Lerneinheiten wurden im Bildungsgang Gestaltungstechnische Assistentinnen und Assistenten mit den Schwerpunkten Grafikdesign und Objektdesign in die didaktische Jahresplanung integriert und durch internationale Projektphasen ergänzt. Das Zertifikat dokumentiert zusätzliche sprachliche, interkulturelle und berufliche Kompetenzen und ist Teil der strategischen Internationalisierung der Berufsbildung in Nordrhein-Westfalen. Nach der Präsentation des Projekts verlieh der Schulleiter des Fritz-Henßler-Berufskollegs, Herr Markus Vorspohl, den Lernenden das DFZQ-Pro-Zertifikat.

Die Projektleitung am Fritz-Henßler-Berufskolleg lag bei Frau Termühlen (Bildungsgangleitung Gestaltungstechnische Assistentinnen und Assistenten – Grafikdesign und Objektdesign) mit Unterstützung durch Herrn Damm (Abteilungsleitung Anlage C) sowie einem weiteren Kollegen. Bei der Umsetzung im Fotostudio begleiteten die Auszubildende (Fotografinnen und Fotografen nach BKAZVO) die Umsetzung. Die Druckerei des Fritz-Henßler-Berufskollegs produzierte direkt die entstandenen Produkte in einem abgestimmten Workflow. Durch ein nachhaltig angelegtes Projektmanagement ist eine Weiterführung des gegenseitigen Austauschs in kontinuierlicher Form vorgesehen. 

Das Projekt zeigt, wie internationale Kooperation in der beruflichen Bildung konkret umgesetzt werden kann. Es verbindet fachliches Lernen mit praktischer Anwendung, stärkt die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen und trägt zur Entwicklung beruflicher Kompetenzen im europäischen Kontext bei. Damit leistet es einen Beitrag zur nachhaltigen Verankerung von Internationalisierung in der Berufsbildung.

Weitere Informationen zur Deutsch-Französischen Zusatzqualifikation am Berufskolleg (DFZQ Pro)

Text und Fotos: J. Terlau