Zwei Bildungsgänge des Fritz-Henßler-Berufskollegs hatten die seltene Gelegenheit einen außergewöhnlichen Lernort zu besuchen: Die Gerüstbauklasse GB-O1 sowie die Unterstufe der Fotografen und Fotografinnen FG-U besichtigten die beeindruckende Gerüstkonstruktion des Dortmunder Weihnachtsbaums – der größte seiner Art weltweit.
Unter der fachkundigen Leitung des Bauleiters der Firma C. O. Weise GmbH & Co. KG erhielten die Auszubildenden exklusive Einblicke in Planung, Konstruktion und Sicherheitsanforderungen dieses besonderen Bauwerks. Die Gruppe durfte den Aufbau sogar bis zur Spitze des Baums erklimmen – ein Erlebnis, das nicht nur technisch, sondern auch atmosphärisch beeindruckte.
Während die angehenden Gerüstbauer intensiv in die strukturellen Details und Herausforderungen des Projekts eingeführt wurden, übernahmen die Fotografen und Fotografinnen die dokumentarische Begleitung. Sie hielten die besondere Bauweise, die Lichtinstallationen und die einzigartige Perspektive aus schwindelerregender Höhe in ihren Bildern fest.
Besonders beeindruckend waren die spezialangefertigten Diagonalen, die in das Traggerüst integriert sind. Sie dienen der gezielten Aufnahme der enormen Windkräfte, die bei einer Höhe von 45 Metern auftreten. Diese Kräfte werden über die Stahlkonstruktion sicher in eine 120 Tonnen schwere Ballastierung, bestehend aus zehn massiven I-Trägern und Betonplatten, die am Fuß des Baums verankert sind, abgeleitet. Die Lastverteilung stellt aufgrund der Tiefgarage unter dem Hansaplatz eine spezielle Herausforderung für die Statik dar.
Um die hohen Punkt- und Flächenlasten auf dem Untergrund optimal zu verteilen, wurde zusätzlich eine 30-Tonnen-Sandschicht eingebracht, die die Belastung schonend auf die Gehwegplatten des Hansaplatzes überträgt. Damit konnten die Schüler/-innen des Gerüstbaus nicht nur die Dimensionen des Projekts hautnah erleben, sondern auch die anspruchsvollen statischen Lösungen nachvollziehen, die den sicheren Aufbau dieses außergewöhnlichen Bauwerks ermöglichen.
Neben den fachlichen Aspekten erfuhren die Schüler/-innen auch spannende Hintergrundinformationen zur Geschichte und den Highlights des 45 Meter hohen Dortmunder Weihnachtsbaums, der jedes Jahr aus rund 1.200 Rotfichten aus dem Sauerland zusammengestellt und, mit einer innovativen Lichttechnik von rund 138.000 LED-Lichtern geschmückt, zum Strahlen gebracht wird.
Der Besuch zeigte eindrucksvoll, wie eng Handwerk, Technik und kreative Dokumentation miteinander verbunden sind – und bot beiden Bildungsgängen wertvolle Lernimpulse sowie unvergessliche Eindrücke, die den Unterricht lebendig ergänzen. Darüber hinaus ermöglichte die Exkursion eine einzigartige Verknüpfung von Theorie und praxisnahen Erfahrungen: Die Auszubildenden konnten ihr im Unterricht erworbenes Wissen unmittelbar an einem komplexen realen Bauwerk anwenden und vertiefen.
Gleichzeitig markierte der gemeinsame Besuch den Beginn einer ungewöhnlichen, aber bereichernden Kooperation zwischen Gerüstbau und Fotografie – zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Berufsgruppen. Die Auszubildenden konnten erleben, wie beide Gewerke voneinander profitieren: Während der Gerüstbau komplexe technische Strukturen sichtbar macht, eröffnet die Fotografie neue Perspektiven, dokumentiert technische Abläufe und hebt gestalterische Aspekte hervor. Diese Verbindung schuf einen Lernraum, in dem beide Seiten voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren konnten.
Text: M.Kwiatkowski; S.Stalberg
Fotos: Fotografen-Unterstufe (nach BKAZVO)












