Projektbericht 2020

#fritz goes abroad

Das Fritz-Henßler-Berufskolleg ist seit 2019 erstmalig offizieller Teilnehmer am Erasmus+ Programm. Um die Attraktivität des bereits bestehenden Bildungsangebots der Einrichtung und dessen internationale Bedeutung zu stärken, ermöglichen wir mit unserem Projekt »#fritz goes abroad« europaweite Kooperationen mit weiteren Bildungseinrichtungen und Unternehmen. »#fritz goes abroad« bietet unseren Schüler/-innen, Auszubildenden sowie unseren Absolvent/-innen in den ersten zwölf Monaten nach Abschluss ihrer Schullaufbahn die Möglichkeit ein Betriebspraktikum im Ausland zu erleben. Speziell für Teilnehmer/-innen mit Studienabsichten ist dies eine hervorragende Möglichkeit, Auslandserfahrungen zu sammeln und gleichzeitig studienrelevante Praktika zu absolvieren. Aber auch Berufsanfänger/-innen nutzen gerne die Zeit bis zum Arbeitsantritt, um ihr Portfolio zu internationalisieren. Die Teilnahme an Erasmus+ und die damit verbundenen geplanten Aktivitäten leisten einen äußerst signifikanten Beitrag für den interkulturellen Austausch über die innereuropäischen Grenzen hinweg. Das Öffnen, das Überdenken, die Ergänzung und die Modernisierung eigener Konzepte, Pläne und Inhalte in allen berufspädagogischen Bereichen und Bildungsgängen der Einrichtung wirken sich unmittelbar und positiv auf die Schulentwicklung und auf das gesamte Schulprofil des Fritz-Henßler-Berufskollegs aus. Der Ausbau der europaweiten Ausrichtung soll letztendlich allen Akteuren der beruflichen Bildung die Möglichkeit bieten, unterschiedliche Strukturen und Kulturen in den Bildungsbereichen kennenzulernen und europaweite Chancen beim Übergang ins Berufsleben zu eröffnen. Seit einigen Jahren pflegen bereits einige Lehrkräfte den Kontakt zu Bildungseinrichtungen in anderen EU-Ländern. Zudem sind auch weitere regionale Einrichtungen daran interessiert an internationalen Austauschen teilzunehmen. Die Handwerkskammer Dortmund sowie verschiedene Innungen unterstützten uns bei der Praktikumssuche im Ausland und leisten damit einen großen Beitrag zur Stärkung der Internationalisierungskompetenzen in der beruflichen Erstausbildung. Darüber hinaus wurden auch Kontakte einzelner Schüler/-innen für die Umsetzung der Mobilitäten genutzt. Dadurch entstand im ersten Projektjahr die Möglichkeit, über 20 Zusagen für Mobilitäten für Lernende erteilen zu können.

#fritz in Italien und Portugal
Bildungsgang: dreijährige Berufsfachschule – Anlage C, Gestaltungstechnische und Bautechnische Assistenten/Assistentinnen

Ein Absolvent der Bautechnischen Assistenten/Assistentinnen hat bei einem Landwirt in der Nähe von Bardolino am Gardasee berufliche Erfahrungen im bautechnischen Bereich beim Umbau der alten Gebäude des Weinguts sammeln können und bei seinem fast dreimonatigen Aufenthalt viele Einheimische als Freunde gewinnen können. Seine interkulturellen und fremdsprachlichen Kompetenzen hat er enorm erweitert. Sein Erfahrungsbericht und seine Präsentation im Rahmen einer Erasmus-Infoveranstaltung am Fritz-Henßler-Berufskolleg erweckte bildungsgangübergreifendes Interesse und ermutigte etliche Schüler/-innen sich dem Projekt »#fritz goes abroad« anzuschließen.

Ein weiterer Absolvent hat in Portugal bei einem ausgewanderten deutschen Tischlermeister acht Wochen gearbeitet und neben der beruflichen Praxis ebenfalls viele interkulturelle Bekanntschaften machen können.

#fritz in Spanien
Bildungsgang: Fachklassen des dualen Systems – Anlage A, Chemielaboranten/Chemielaborantinnen, Gebäudereiniger/-innen, Schilder- und Lichtreklamehersteller/-innen

Auch in 2019 haben die Chemielaboranten/Chemielaborantinnen des Fritz-Henßler-Berufskolegs am Erasmus+ Programm teilgenommen und für drei Wochen Zaragoza besucht. Nachdem der Austausch in Spanien bisher formal über eine Nachbarschule abgewickelt worden war, konnte ab 2019 mit »#fritz goes abroad« nun mit sechs Chemielaboranten/Chemielaborantinnen ein eigenes Projekt stattfinden, um die positive Zusammenarbeit mit der berufsbildenden Bildungseinrichtung in Zaragoza fortzuführen und zu vertiefen. Zusammen mit den Lehrern Herrn Brauckmann-Schmolke und Herrn Fotschki fand ein Besuch der dortigen Partnerschule »Centro Publico Integrado de Formacion Profesional Corona de Aragon« statt. Die Chemielaboranten/Chemielaborantinnen konnten während ihres Aufenthaltes interessante und intensive Erfahrungen im »ICB – Instituto Carboquimica«, im spanischen Forschungsinstitut »EEAD – Estación Experimental de Aula Dei« und der chemischen Fakultät an der »Universidad de Zaragoza« machen. Insbesondere chemisch-technische Umweltanwendungen sowie instrumentelle Analysemethoden waren die Arbeitsaufgaben dort. Neben der Arbeit kamen natürlich auch kulturelle Aspekte nicht zu kurz. Zaragoza hat viele kulturelle Sehenswürdigkeiten und besticht durch typisch spanisches Essen und Ambiente. Nicht zuletzt hat es viele nette Kontakte mit sehr hilfsbereiten Menschen gegeben. Seinen Abschluss fand das Projekt durch die Überreichung der Europässe.

#fritz goes abroad – Ein kleiner Ausblick

Wir bedauern sehr, dass viele unserer geplanten Projekte aufgrund der Corona-Krise nicht stattfinden konnten. Jedoch arbeiten wir alle gemeinsam daran, alle Projekte nachzuholen.

Im Mai 2020 sollten drei Auszubildende aus dem Bereich Gerüstbau für drei Wochen nach Norwegen entsandt werden. Das Bildungspersonal pflegt bereits seit einigen Jahren Kontakt zum norwegischen Ausbildungszentrum für Gerüstbau. Dies sicherte bereits den Start für eine zukünftige Zusammenarbeit. Im ersten Schritt schickte das norwegische Ausbildungszentrum zwei Auszubildende in das Ausbildungszentrum der Handwerkskammer Dortmund, welches auch in Zukunft als Partner aktiv sein wird. Alle geplanten Auslandsprojekte sollen im Herbst 2020, spätestens jedoch 2021 nachgeholt werden.

Zwischen April und Juni 2020 war der Gegenbesuch von sechs Auszubildenden der spanischen Partnerschule in Zaragoza in unserer Region geplant. Durch die Vermittlung von Herrn Brauckmann-Schmolke waren für alle Teilnehmer/-innen ein- oder dreimonatige Praktikumsplätze vermittelt worden. Dieser Austausch, sowie ein erneuter Besuch in Zaragoza für 2020, konnten leider nicht stattfinden. Trotzdem ist schon der nächste Austausch für 2021 ins Auge gefasst.

Zusätzlich ergaben sich für die Abteilung mit vollzeitschulischen Bildungsgängen nach Anlage C, APO-BK, Kooperationen mit der FH-Kärnten, einer beruflichen Schule in Zaragoza und verschiedenen Sprachinstituten in Irland und Spanien, die auch dem Lehrpersonal verschiedene Formen von Auslandsaufenthalten im Rahmen der Leitaktion 1 ermöglichten. So waren sechs Mobilitäten für das Lehrpersonal für 2020 nach Irland, Österreich, Spanien, Malta und Frankreich geplant. Davon konnte lediglich eine Mobilität erfolgen. Für die Klasse 11 der Bautechnischen Assistenten/Assistentinnen mussten insgesamt fünf geplante Mobilitäten für den Zeitraum ab Mitte Mai bis zu den Sommerferien auf den nächsten Praktikumszeitraum 2021 verschoben werden. Aber dann soll wieder ein so breites Spektrum wie dieses Jahr realisiert werden. Dabei stehen die Länder Irland, Frankreich, Kroatien und Malta bei den Planungen ganz oben auf der Liste. In der Klasse 12 der Bautechnischen Assistenten/Assistentinnen wollten vier Teilnehmer/-innen ein Praktikum in Zaragoza absolvieren. Da der Kontakt zu einem Kollegen der Gewerblich-Technischen Schule in Zaragoza weiterhin besteht, verschiebt sich das Projekt lediglich um ein Jahr. Dann sind unsere Teilnehmer/-innen in der Klasse 13 und können nach Abschluss ihrer Prüfungen Berufserfahrung in Spanien sammeln. Vier Absolventen/Absolventinnen der Bautechnischen Assistenten/Assistentinnen wollten im Sommer 2020 in Dublin berufliche Auslandserfahrungen sammeln. Eine Absolventin plante einen mehrwöchigen Lernaufenthalt in der Türkei. Für diese Teilnehmer/-innen besteht noch die Möglichkeit innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss den Auslandsaufenthalt nachzuholen. Aus dem Bildungsgang der Gestaltungstechnischen Assistenten/Assistentinnen wollen 2021 vier Jugendliche ihr reguläres Betriebspraktikum in der Jahrgangsstufe 12 in der Umgebung von Dublin ableisten. Zwei Absolventen/Absolventinnen planen nach dem erfolgreichen Berufsabschluss ein Praktikum in Spanien bzw. ebenfalls in Irland. Auch für unser Bildungspersonal waren Lernaufenthalte im Ausland, z.B. in Irland, zur Verbesserung der Englischkenntnisse geplant. Immerhin eine Fortbildung in Dublin konnte im Februar 2020 stattfinden. Es handelte sich hierbei um den Kurs »Structured Educational Visit to Schools/Institutes &Training Seminar in Ireland«. Frau Schriver, Lehrkraft für das Fach Englisch, nahm an der Fortbildung teil: »Während dieses Aufenthaltes konnte ich nicht nur meine englischen Sprachkenntnisse aktivieren, ich erhielt darüber hinaus auch vielfältige allgemeine Informationen und Eindrücke. Wie der Titel des Seminars bereits verrät, konnten die Kursteilnehmer unterschiedliche Schulen besuchen und Kontakte zu Schulen in anderen EU-Ländern herstellen.«
Wir freuen uns auf die weitere Entwicklung europäischer Kontakte: #fritz goes abroad!

Text: A. Schriver, R. Lottermoser, U. Brauckmann-Schmolke, S. Tetard
Fotos: E. Sturm, J. Hasbargen, U. Brauckmann-Schmolke