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Tag des offenen Denkmals am 10.September 2017

Auch in diesem Jahr beteiligen sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11,12 und 13 des Bildungsganges Bautechnische Assistenten mit einem Beitrag am „Tag des offenen Denkmals“. Die Kolonie... Mehr erfahren


Fritz-Henßler-Berufskolleg

Weißenburger Str. 63
44143 Dortmund
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Telefax: 0231.50 10 777
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Fritz Henßler

Fritz Henßler wurde am 12. April 1886 in Altensteig, einem kleinen Städtchen im württembergischen Schwarzwald, geboren. Nach dem Besuch der evangelischen Volksschule in Altensteig erlernte er das Handwerk eines Buchdruckers und Schriftsetzers. Schon früh interessierte er sich für die sozialdemokratische Bewegung, die während der Jahre 1878 - 1890 durch Bismarcks Sozialistengesetz verboten war, später vom bürgerlichen Mittelstand als "Vaterlandslose Gesellen" verpönt war. Henßler war aber der Überzeugung, "die kämpfen für das Recht des Arbeiters". Fritz Henßler hat sehr viel gelesen, was für Buchdrucker und Schriftsetzer nicht ungewöhnlich war. Bisherigen Forschungsergebnissen zufolge, ist es kein Zufall, daß insbesondere Buchdrucker und Schriftsetzer in der Gründerphase der Arbeiterbewegung führende Positionen einnahmen und auch später in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts zur Elite der sozialdemokratischen Führungsschicht gezählt haben. Viele ehemalige Schriftsetzer kamen über ihren ursprünglichen Beruf als Redakteure zu SPD-Organen und stiegen von dort als Funktionsträger der Partei in übergeordnete parlamentarische Gremien auf. Somit ist Henßlers Lebenslauf in mancher Hinsicht beispielhaft für den Lebensweg eines Sozialdemokraten, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus eigener Kraft in führende Positionen aufgestiegen ist.

Wie damals noch üblich, begab sich Henßler nach Abschluß seiner Lehre auf Wanderschaft. Im Jahre 1908 verschlug es ihn nach Münster, wo er zunächst als Schriftsetzer, bald schon als ehrenamtlicher Funktionär der SPD tätig war. Im Oktober 1910 kam er nach Dortmund.

1905 wurde er Mitglied der SPD und engagierte sich immer wieder für die Rechte der Arbeiter. Seine politische brachte es mit sich, daß er 1918 Stadtverordneter und von 1925 - 1933 Stadtverordnetenvorsteher in Dortmund wurde. Außerdem übernahm er 1929 - 1933 für das Westliche Westfalen den Parteivorsitz der SPD. Hauptberuflich war er seit 1911 Redakteur der Dortmunder Arbeiterzeitung. Das Engagement und die Profilierung Fritz Henßlers in der sozialdemokratischen Bewegung zeigt sich in der großen Bedeutung, die er schon lange vor dem 2. Weltkrieg im öffentlichen Leben und in seiner Partei errungen hat. So wurde er im Jahre 1930 zum Mitglied des Reichstages gewählt und übte dieses Mandat bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 aus.

Schon von Beginn an wurde Fritz Henßler von den nationalsozialistischen Machthabern verfolgt. Die Verfolgung fand ihren ersten Höhepunkt mit dem SPD-Verbot vom 22. Juni 1933, in dessen Verlauf Fritz Henßler mit sieben anderen Führungspersönlichkeiten der SPD in "Schutzhaft" genommen wurde. Henßler wurde insgesamt zweimal verhaftet und im Polizeigefängnis Steinwache, das während der NS-Zeit den traurigen Ruf der berüchtigtsten Gestapo-Folterstelle erhielt, verhört. Danach änderte Henßler seine Auffassung, daß sich der Widerstand der Sozialdemokraten "nur in den Köpfen" abzuspielen habe. Fritz Henßler stellte Kontakt zu den verschiedensten Widerstandskreisen her. Anlaufstelle hierfür war die von seiner Frau Ella betriebene Leihbücherei in Dortmund Hombruch, in der Deutsch-Luxemburger-Straße. Obwohl er als Kontaktmann und Führungsperson der Dortmunder SPD galt und er ständig von den Nazis überwacht wurde, war Fritz Henßler drei Jahre lang eine der Hauptpersonen des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten in Dortmund.

Am 25. April 1936 wurde Henßler in seiner Wohnung von der Gestapo verhaftet.

Nach 12monatiger Untersuchungshaft in der Steinwache und im Dortmunder Gerichtsgefängnis Lübecker Hof wurde er vom Oberlandesgericht in Hamm wegen Verstoßes gegen das "Gesetz gegen die Neubildung von Parteien" zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Obwohl er die Strafe durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt hatte, wurde er nicht entlassen, sondern sofort nach der Verhandlung durch die Gestapo wieder in die Steinwache eingewiesen. Am 7. Juli 1937 lieferte man ihn von dort aus in das Konzentrationslager Sachsenhausen ein, wo er schließlich acht Jahre der Willkür seiner Peiniger ausgesetzt war. Es ist überliefert, daß Fritz Henßler sich trotz eines elfstündigen harten Arbeitstages im KZ auch an politischen Diskussionen beteiligte, welche die illegale Lagerleitung, bestehend aus Sozialdemokraten, Kommunisten und ehemaligen Zentrumsleuten, organisiert hatten. Als die Niederlage der Nationalsozialisten immer offenkundiger wurde und sowjetische Truppen immer näher an das Konzentrationslager Sachsenhausen rückten, sollten die Häftlinge des Lagers im April 1945 auf einen sogenannten Evakuierungsmarsch geschickt werden. Dies bedeutete einen Todesmarsch wie er auch vom KZ Auschwitz und anderen Lagern her bekannt war: Hier sollten die Häftlinge körperlich geschwächt und leichter ermordet werden können.

Am 20. April 1945 mußte sich Fritz Henßler auf den Todesmarsch Richtung Mecklenburg begeben. Als er auf diesem Marsch mehrfach entkräftet zusammenbrach, wurde er durch die Hilfe von Mithäftlingen immer wieder vor dem Schicksal verschont, das vor ihm zahlreiche ehemalige Reichstags- und Landtagsabgeortnete, aber auch Dortmunder Stadtverordnete zu erleiden hatten. Nur mit Glück entging er dem Genickschuß der SS-Wachmannschaft, die auf dem Todesmarsch insgesamt 6000 entkräftete Häftlinge ermordete.

In unmittelbarer Nähe der Stadt Schwerin konnte Fritz Henßler entkommen. Versteckt in einer Gartenlaube erlebte er am 2. Mai 1945 den Tag der Befreiung vom Faschismus durch amerikanische Einheiten. Es dauerte einige Wochen, bis es Fritz Henßler gelang, sich während der Nachkriegszeit nach Dortmund durchzuschlagen. Im Juni 1945 erreichte er völlig entkräftet Dortmund.

Über seine Erlebnisse, die unbeschreiblichen Qualen und besonders über den Todesmarsch, hat Fritz Henßler in der Öffentlichkeit niemals gesprochen. Er beschränkte sich in seinen Lebensläufen auf Formulierungen wie diese:

"Neun Jahre Haft, davon acht Jahre Konzentrationslager, übliche KZ-Behandlung".

Ungebrochen von den langen Jahren seiner Haft nahm Fritz Henßler die politische Arbeit sofort wieder auf. Die Führungsrolle, die er bereits in den Jahren vor 1933 innegehabt hatte, fiel ihm unangefochten auch jetzt wieder zu. Seine unerschrockene und ungebrochene Haltung während der vergangenen 12 Jahre vergrößerte noch sein Ansehen. Auf allen Versammlungen wurde er stürmisch begrüßt und es lag auf der Hand, daß er wieder Vorsitzender wurde, als am 20. August ein provisorischer Vorstand des SPD-Bezirks Westliches Westfalen gewählt wurde. Von 1946 an wurde er Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen und des Zonenbeirates. Gleichfalls von 1946 an war er Oberbürgermeister der Stadt Dortmund. Dem Deutschen Bundestag gehörte er seit dem 20. August 1949 an.

Außerdem war er Mitherausgeber der Westfälischen Rundschau, erster stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Dortmund-Hörder-Hüttenunion AG, Aufsichtsratsmitglied der Konsumgenossenschaft und der Westfalenhalle AG Dortmund. In der sozialdemokratischen Fraktion des Landtages von Nordrhein-Westfalen hatte er den Vorsitz inne. Dem Bundesvorstand der SPD gehörte er als Mitglied an.

Durch sein unermüdliches Mitwirken beim Aufbau eines demokratischen Gemeinwesens hat Fritz Henßler Zeichen gesetzt. Als Oberbürgermeister hatte er die Weichen für den Wiederaufbau der Stadt Dortmund gestellt. Die dauernden Wohnungsprobleme versuchte er ebenso zu beseitigen, wie mit seinem erbitternden Kampf eine drohende Demontage der Hüttenwerke zu verhindern.

In der Neuordnung des Schulwesens sah er den wichtigsten Ansatzpunkt für eine Erziehung im demokratischen Geist. Hierzu gehörte in erster Linie nach seinem Verständnis eine Aufklärung über die Ursache und Folgen totalitärer Machtentfaltung. Er war auch der Initiator des später nach ihm benannten Hauses der Jugend. In einer Rede am 7. Januar 1951, anläßlich der Dortmunder Jugendwoche forderte er:

"Ich wünsche, daß wir bald wieder zu einem Haus der Jugend kommen und das es umkränzt wird von kleinen Jugendheimen rings in der Stadt. Dieser Weg muß für die Jugend freigemacht werden."

Als er am 4. Dezember 1953 an Spätfolgen der KZ-Haft verstarb, hatte er über lange Jahre hinweg das Schicksal der Stadt Dortmund mitgestaltet. In einer Rede vor fast 40 Jahren bekannte er einmal:

"Ich bin glücklich darüber, hier mitwirken zu können an der Entwicklung eines demokratischen Lebens, denn wir haben noch nicht volle Demokratie. Ich bin stolz darauf, aus den harten Jahren des KZ mit der inneren Überzeugung hervorgegangen zu sein: So darf man es nicht machen, wenn man die Menschen zum Frieden bringen will. Vielmehr soll das, was war, ein warnendes Zeichen und eine Lehre für uns sein, zu einer solchen gesellschaftlichen und staatlichen Gestaltung zu kommen, daß die Menschen wieder in Gemeinschaft zueinander finden".

Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus der Webseite des Fritz-Henßler-Hauses (Haus der Jugend)

Fritz Henßler 1886-1953

- Geboren am 12. April 1886
- Lehre als Buchdrucker und Schriftsetzer 
- Eintritt in die SPD 1905
- Umzug nach Dortmund 1910
- Redakteur für die Dortmunder Arbeiterzeitung seit 1911
- Stadtverordneter in Dortmund ab 1918
- Stadtverordnetenvorsteher 1925-1933 in Dortmund
- Parteivorsitz der SPD für das Westliche Westfalen von 1029-1933
- Mitglied des Reichstages 1930-1933
- Verhaftung durch die Gestapo 1936
- 1937 erneute Verhaftung und Einlieferung in das Konzentrationslager Sachsenhausen
- 2. Mai 1945 Tag seiner Befreiung durch amerikanische Einheiten
- 1946 wurde er Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen
- 1. Oberbürgermeister der Stadt Dortmund 1946
- Dem Deutschen Bundestag gehörte er seit dem 20. August 1949 an
- Mitherausgeber der Westfälischen Rundschau
- Am 4. Dezember 1953 verstarb er an den Spätfolgen der KZ-Haft