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Gautschfest -  Hurra, wir leben noch!

Alljährlicher Höhepunkt im Fachbereich Druck- und Medientechnik ist am Ende des Schuljahres das traditionelle Gautschfest.

Wenn die Lehrabschlussprüfungen mit dem letzten Prüfungsbestandteil der mündlichen Prüfung beendet sind und die Schüler ihre Berufsschulabschlusszeugnisse erhalten haben, erschallt der Ruf des Gautschmeisters "Packt an, Gesellen!".
Das erste Auspressen der nassen Papierbahn durch zwei Walzen nennt man in der Fachsprache "gautschen". Gautschen nennt man auch das erste "Auspressen" eines nassen Buchdruckgesellen durch zwei "Packer". Seit fünf Jahrhunderten pflegen die Jünger der "Schwarzen Kunst" schon diesen alten Einweihungsbrauch. Erstens gehört er zu einer zünftigen Offizin, zweitens macht die Sache Spaß.
Hier ist das Rezept: Man nehme einen Jung-Gesellen der "Schwarzen Kunst" und tauche ihn unter dem traditionellen Ruf "Laßt seinen Corpus posteriorum fallen!" samt Kleidern in ein Gautschfaß. Dieweil ihm das Wasser aus Ohren, Mund und Haaren trieft, decke man ihn tüchtig mit Ratschlägen und Ermahnungen ein. Der "Gautschmeister" leitet das Zeremoniell. Ihm stehen drei "Packer" zur Seite, ferner ein "Schwammhalter" und die "Zeugen" - die Kollegen der "Bude" also. Wenn der Jung-Geselle alles glücklich überstanden hat, liegt es bei ihm, nun auch seinerseits Feuchtigkeit zu spenden: "innere Feuchtigkeit" für seine Kollegen! Sein erster Gesellenwochenlohn wird ihm dabei helfen. Das Gautschen ähnelt einer Äquatortaufe.
Dem "freigesprochenen" Gutenberg-Jünger eröffnet sich so etwas wie eine zweite Welthälfte. Es ist die wundersame Welt der "stummen Sprache". Die Welt der Schrift und des Bildes. Die Welt jenes Berufes, in dem er nun endgültig zu Hause ist. (Dieser Text wurde einem Kalender des Berg-Verlages, Bochum aus den sechziger Jahren entnommen.)
Wie wir vorstehend lesen konnten, gehörte das Gautschen zu einer "zünftigen Offizin" (Druckerei). Anfang der achtziger Jahre wurde der Fachbereich Drucktechnik der Gewerblichen Schulen III für eine befristete Zeit zur Ausbildungsstätte. Ziel war es der starken Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Diese Auszubildenden legten nach der Lehrzeit zusammen mit denen der Betriebe die Gehilfenprüfung ab. Und wie sich das für einen zünftigen Ausbildungsbetrieb gehört, wurden die jungen Gehilfinnen und Gehilfen aus dem Fachbereich Drucktechnik gegautscht. Die Teilnahme war freiwillig, aber kaum jemand wollte auf diesen zünftigen Ausbildungsabschluss und seinen schönen Gautschbrief, mit welchem der vollzogene Brauch bestätigt wird, verzichten.
Eingangs war zu lesen: ... zweitens macht es Spaß! Und so ist es denn auch nicht verwunderlich, dass die Berufsschüler/ innen von sich aus anregten, das Gautschen auch ihnen zu ermöglichen. Die jährliche hohe Beteiligung zeigt, dass die Freude an dieser alten Tradition ungebrochen ist. Und so wird denn wohl auch in den nächsten Jahren jeweils zum Abschluß der Prüfungen der Spruch des Gautschmeisters ertönen: "Packt an, Gesellen, lasst fallen seinen (ihren) corpus posteriorum auf diesen nassen Schwamm, bis triefen beide Ballen. Der durst'gen Seele gebt ein Sturzbad obendrauf, das ist dem Jünger Gutenbergs die allerbeste Tauf´!". Beim abendlichen kalten Büfett und den heißen Klängen der Band werden dann bei manchem "Ehemaligen" alte Erinnerungen an die doch allzu schnell vergangene Schulzeit wach.
Der Stress und Ärger mit den "Paukern" ist verraucht und nebulös wie weiland Schöler Pfeiffer (mit drei f) in der Feuerzangenbowle fragt er sich: "Watt isse ne Druckmaschiin"?